Über mich

 

Matthias Wagner

*22.12.1959
Lebe in vergnüglicher Entfernung vom städtischen Treiben auf den Höhen des Schwarzwaldes und bewirtschafte mit meiner Familie unter engagierter Mithilfe von Eseln, Zackelschafen, Ziegen, Katzen und einem Hund einen Bauernhof. Hauptberuflich bin ich als Ergotherapeut in der Psychiatrie Freiburg tätig.

Autor des Blogs Hirnstromern

 

Aus Wolkenbruch:

Oft, damals wie heute, wenn ich in der Natur bin, werde ich in solch einem Augenblick gewahr, dass ich mit Hilfe der Natur durchaus glücklich sein kann im Unzufriedensein oder zufrieden im Unglücklichsein. Nach nur kurzer Zeit draußen unter freiem Himmel entfremdet mich die Natur der alltäglichen Probleme und ich fühle mich manches Mal fast frei. Ich lehne dann an Bäumen oder ich sitze auf vom Schnee gereinigten Stümpfen und höre dieser geräumigen Stille zu. Und ich denke, weil man als Mensch etwas denken muss, selbst in eine Stille hinein oder gerade in sie, ich denke, wie schrecklich es wäre, müsste ich in solch einem Moment an einem anderen Ort sein. Nach diesem Gewahrsein, nur einige Schritte weiter hinein in die Natur, hinein in einen herrlich kalten Morgen, überkommt mich schließlich die Sehnsucht nach dem Nichts. Dem Nichts, das die Grenzen des störenden Ichs beiseite schiebt, um mir zu bekunden, ich solle mich der geistigen Form und Norm des Menschseins entledigen, einer Norm, die mich von der endgültigen Gemeinschaft mit der Natur trennt. Wenn ich so denke, könnte man meinen, ich wäre dem Pathos verfallen – doch sagt man nicht, das Pathetische sei die Nahrung großer Seelen? Oder ich wäre todessehnsüchtig – doch der Tod ist dabei nicht von Wichtigkeit, er ist nur Teil von diesem Nichts, von dieser Gemeinschaft. Im selben Atemzug aber sinne ich auch darüber, dass ich mir wünschte, diese verbindende Erlösung würde noch das eine oder andere Leben lang auf sich warten lassen. Ich denke dann, dass es eigentlich nicht ohne Reiz ist, aus diesem stolz sich abgrenzenden Ich heraus solche Gedanken zu hegen und die Distanz des eigenen Schauens zu bewahren. Und dann ist da auch noch die Angst: man müsste in diesem Prozess hin zur Erlösung die Wirklichkeit ertragen, wie sie ist. Ganz ohne die vertuschenden, die aus- und abschweifenden, die vor- und zurückhastenden Tagträume des Denkens; man müsste tonnenweise geistigen Ballast abwerfen, darunter wohl auch die Liebe, so wie sie uns zu sein scheint. Ein Hund rannte laut bellend an mir vorüber, er jagte vereinzelte Schneeflocken über die Wiese. Und wie es eben so ist: plötzlich fiel mir das Leben wieder ein…

 

Unverzichtbares:

einverleibte, regaltaugliche und selbst verfasste Literatur – bewegte Bilder – Beach-Volleyball im Sommer, Hallenfußball im Winter mit guten, alten Freunden – Fließen von Wald- und Bergbächen – Sehnsucht nach Töchterseelen jenseits von Afrika und an den Ufern der Donau – EselZiegenZackelkötel sammeln bei Sonnenuntergang – ab und an Biken in tiefen Wäldern – das leise, zweite Nachtatmen, das sich an meinen Nacken lehnt – Interesse an Zeitgeschichte, Zeitgeschehen – der Melancholie frönen und auch faulen Stunden – Leonas Augenglanz beim Ziegenkäsemachen – Nala (kleine Katze) schauen: bei Übungen zur Flugrolle vorwärts, Salti rückwärts und bei eingeschlungenem Nickerchen – weite Blicke von irgendwo oben – Milankreisen über Waldrändern – Milchreis – Freiburger Kurzpassschönspiel – der Klang eines Herbstshantis aus den Pyrenäen – Sasas strahlendes Schauen beim entdecken neuer Welten – Lesen auf dem Misthaufen
 

 

Gelesenes, das Eindruck hinterließ:

Das Meiste von Uwe Timm, von Haruki Murakami, von Wilhelm Genazino, vieles von Cees Nooteboom, von Marten’t Hart, von Gottfried Benn, einiges von Arnold Stadler, von Sibylle Berg, von Zsuzsa Bánk, von Peter Stamm, von Gao Xingjian, von Yoko Ogawa, von Arno Schmidt, Antwort aus der Stille und Montauk von Max Frisch und dessen Tagebücher, Echolot von Walter Kempowski,  Das denkende Herz: Die Tagebücher von Etty Hillesum, die Tagebücher von Victor Klemperer, Jeder stirbt für sich allein von Hans Fallada, Kinder der Hoffnung von Marc Levy, Das Buch der Unruhe von Fernando Pessoa, Ohne Maria von Wolfgang Schömel, Grenzgang von Stephan Thome, Der fliegende Berg von Christoph Ransmayr, Wildauge von Katja Kettu, Herkunft und Gedankenbuch von Botho Strauß

 

Bewegte Bilder, die bewegten und Freude bereiteten:
Was so einfällt, ein kleiner Auszug von viel Gesehenem

Edgar Reitz’ Heimat, Jahrestage, Klemperer – ein Leben in Deutschland, Sophie Scholl – die letzten Tage, Zug des Lebens, Der Junge im gestreiften Pyjama, Lore, Wim Wenders Filme, Die TV Produktion Weissensee, Hannah Arendt, Jenseits der Stille, Im Juli, Emmas Glück, Das Leben der Anderen, Vier Minuten, Shoppen, Der letzte schöne Herbsttag, Oh Boy, Boyhood, Inside Llewyn Davis, Ken Loach Filme, We want Sex, Whale Rider, Kleine Tricks, Machuca – mein Freund, Biutiful, So viele Jahre liebe ich dich, Ein mutiger Weg, Into the Wild, My Blueberry Nights, Mütter und Töchter, Dolls, Beijing Bycycle, Bal, Stein der Geduld, Jenseits von Afrika, 7 Jahre in Tibet, Good Bye Tibet, Ronja Räubertochter, Amy und die Wildgänse, 2 kleine Helden, Tinke – kleines, starkes Mädchen, Butch Cassidy and the Sundance Kid, Die Reifeprüfung, Das Appartement, Frühstück bei Tiffany, Hausboot…