Fliehkräfte von Stephan Thome

Es gibt Phasen, da glaubt der Alltag meinen zu müssen, Lesen und Schreiben wären unnützes Zeug. Da muss man schon Engelszungen sprechen lassen, um klar zu machen: Lesen gehört zum Leben wie der Mist auf den Haufen, und siehe da: ich habe mal wieder gelesen: Fliehkräfte von Stephan Thome. Und wie schon sein Erstling Grenzgang gefällt mir auch dieser Roman sehr, sehr gut. Wenn Thome seinen Muße- und Fähigkeitsfaden als Schreiberling nicht verliert, dann wird er sich auf Dauer zu den literarisch hochwertigen Schriftstellern Deutschlands gesellen. 
Hier nur kurz zum Buch, wenn man es aufschlägt: Wie oft ist der Klappentext eine Sache für sich: Da wird von Niederlagen geschrieben, von dem, was wirklich schmerzt, von Abgründen des gelebten Lebens. Ich habe in Fliehkräfte weder über Niederlagen, noch über wirklich tiefgehend Schmerzendes gelesen, auch nicht von bedrohlichen Abgründen; „nur“ von Hinterfragungen, seelischen Schwankungen und Reflektionen, von Standortbestimmungen des eigenen Lebens und existentiellen Überlegungen bezügl. Neuorientierung innerhalb diesem. Und ich habe auch keinen Helden entdeckt, welcher der Protagonist sein soll; vielleicht ist der Verfasser dieses Klappentextes ja dem althergebrachten Reflex unterlegen, die Menschen des Alltags grundsätzlich als Helden zu bezeichnen – davon gibt es ohne Zweifel unzählige, aber bitte nicht unbedingt erwähnenswert im literarischen Kontext.

 

 

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